Eugen Fehrle (1880-1957), 1. Vorsitzender 1938-41

Eugen Fehrle war von 1939 bis 1941 erster Vorsitzender des Heidelberger Kunstvereins und bestimmte dessen programmatische Ausrichtung mit. Als Nationalsozialist erster Stunde trat er 1931 in die NSDAP ein und unterzeichnete 1933 den sogenannten Professorenaufruf zur Unterstützung Adolf Hitlers bei der Wahl im März. Nachdem er 1933 im badischen Kultusministerium die Hochschulabteilung übernommen hatte, war er für die ideologische Ausrichtung und Entlassungen an den Universitäten in Baden verantwortlich. Fehrle nutzte seine Position, um sich 1934 zum persönlichen Ordinarius für klassische Philologie und Leiter für deutsche Volkskunde zu machen.

Die Ausstellungen im Heidelberger Kunstverein, die während seiner Zeit als Vorsitzender gezeigt wurden, waren von volkstümlicher Thematik dominiert (›Deutscher Frühling in Brauchtum und Kunst‹, 1940) und behandelten „deutsche“ Kulturregionen, z. B. steiermärkisch-kärntnerische Graphiken (1939).

Wegen seiner NS-Tätigkeit, zuletzt war er SS-Sturmbannführer und Prorektor der Universität Heidelberg, wurde Fehrle im Spruchkammerverfahren als „Aktivist“ und „Nutznießer“ eingestuft und bis 1948 interniert. 1950 erfolgte die ordentliche Emeritierung. Im Gegensatz zu Grisebach, der in den Ruhestand zwangsversetzt wurde, ist Fehrle mit allen Rechten und Ehren eines emeritierten Professors aus dem Universitätsbetrieb ausgeschieden. Seit 1934 ordentliches Mitglieder der Heidelberger Akademie der Wissenschaften wurde er vermutlich 1946 ausgeschlossen. Auf der Webseite der Akademie wird er folgendermaßen geführt: »ordentliches Mitglied seit 1934; aus der Mitgliederliste gestrichen 1946?«*.

 

* http://www.haw.uni-heidelberg.de/akademie/mitglied.de.html?id=427

 

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Eugen Fehrle, undatiert