Ettore Sottsass ›Die Zukunft der Architektur‹

›Die Zukunft der Architektur‹ (1973) nannte Ettore Sottsass seine Serie von kolorierten Zink-Lithographien, die in Comic-Manier bekannte Architektur- und Stadtentwürfe des 20. Jahrhunderts in eine postapokalyptische Zukunft versetzt. Wie Indizien außerirdischer Populationen stehen die modernen Architekturkonzeptionen als fremde Ruinen in verlassenen Landschaften. Seine humorvolle und ironische Science-Fiction wendet sich vor allem den auf technischen Fortschritt bauenden optimistischen Utopien zu und lässt sie zu Dystopien werden, die am Faktor Zeit scheitern.

Ein Blatt widmet sich der ›Walking City‹, einer Ikone radikaler Architekturentwürfe der 1960er Jahre. Die vom Architektenkollektiv Archigram entworfene mobile Stadt ist an keinen festen Ort gebunden und bewegt sich dorthin, wo beispielsweise die Arbeitskraft ihrer jeweils etwa 20.000 Bewohner gebraucht wird. Ein Konzept, dass auch im Kontext eines drohenden Atomkrieges während des Kalten Krieges richtungsweisend erschien, da ihr Standort variabel und somit ein schwereres Angriffsziel war. In Sottsass Zeichnung ist die menschenleere Stadt verrostet zum Stillstand gekommen und im Flugsand eingesunken. Andere Blätter zeigen z.B. einen an Buckminster Fullers geodätische Kuppel erinnernden Bau, der wie ein Ufo in einer Felsschlucht stecken geblieben ist, oder eine ›Trassenstadt‹. Der Röhrenbau auf Stelzen, Kernstück der utopischen Architektur der sechziger Jahre, schlängelt sich wie ein Tausendfüßler an Berghängen entlang und ist im Flussbett eingesackt.

 

Ettore Sottsass (1917, Innsbruck — 2007, Mailand) gilt als einer der bedeutendsten und gleichzeitig unkonventionellsten Gestalter des 20. Jahrhunderts. Bekannt wurde er für seine Entwürfe für den Bürogerätehersteller Olivetti, für poetisch-minimalistische Objektskulpturen und als Kopf des Designkollektivs Memphis in den 1980er Jahren. In seiner langen Karriere bewegte sich Sottsass in verschiedenen Disziplinen wie Architektur, Design, Skulptur und Malerei und hinterließ ein umfangreiches Gesamtwerk.

Bild: Ettore Sottsass: ›Buckminster Fuller, gestrandet‹, 1973. In: Revision der Moderne. Postmoderne Architektur 1960-1980. Hrsg. von Heinrich Klotz. München 1984. Seite 279.

 

Weitere Informationen:

Das Zeit Magazin über Ettore Sottsass (Oktober, 2017)