Die ›Zeitungsschlacht‹, 1905

Nachdem Max Liebermann von den Äußerungen Thodes erfuhr, nahm er dies zum Anlass für eine Reihe öffentlicher Briefe in der ›Frankfurter Zeitung‹. Darin sprach er Thode jegliche Eignung als Kunsthistoriker ab und positionierte sich deutlich zur Moderne. In dem folgenden Schlagabtausch zwischen den Protagonisten, der im Juli 1905 ausgetragen wurde, meldete sich zunächst Hans Thoma mit einer Gegenposition zu Wort. Dieser verteidigte in seiner Antwort seinen Freund Thode und griff gleichsam die französische Freilichtmalerei an, während er die Kunst des Mittelalters als originär deutsch idealisierte. Im weiteren Verlauf schaltete sich auch Henry Thode selbst ein. Die Debatte beendete Meier-Graefe mit der Feststellung, dass es in dem Konflikt nicht nur um Fragen der Kunstbetrachtung, sondern der Weltanschauung gehe.

 

Bildnachweis:

Max Liebermann, Freistunde im Amsterdamer Waisenhaus, 1881-82, Öl/Lw., 78,5 x 107,5 cm, Frankfurt/Main, Städel Museum