Die Gründung des HDKVs in Zeiten des Aufruhrs, 1869

 

Die Gründung des Heidelberger Kunstvereins im Jahr 1869 fand in politisch unruhigen Zeiten statt.

 

Seit den napoleonischen Befreiungskriegen gärte in Deutschland der Wunsch nach nationaler Einheit. Doch ein liberaler Nationalstaat wurde durch die Niederschlagung der Märzrevolution 1849 verhindert. Die nationale Frage brach sich an den unterschiedlichen Interessensgruppen, wobei das preußische Königreich zunehmend tonangebend auftrat. Eine „großdeutsche Lösung“ sah einen deutschen Nationalstaat mit Einbezug und unter der Führung von Österreich vor, die „kleindeutsche Lösung“ hingegen einen deutschen Nationalstaat ohne Österreich und unter preußischer Hegemonie. Entschieden wurde der Konflikt in den sog. Deutschen Einigungskriegen (1864-1871). In insgesamt drei kriegerischen Auseinandersetzungen wurden die Grenzen zum nördlichen Nachbarn Dänemark (1864) gezogen und die Rivalen Österreich (1866) und Frankreich (1870/71) besiegt. Im sog. Deutschen Krieg von 1866 verdrängte Preußen erfolgreich Österreich. Das Ringen um die Hegemonie in Deutschland ging zugunsten der Hohenzollern in Preußen aus. Die Habsburgermonarchie in Österreich wurde vom Norddeutschen Bund ausgeschlossen. Es zeichnete sich eine „kleindeutschen Lösung“ ab. Doch erst im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 wurde die Frage nach der deutschen Einheit geklärt.