Die Ausstellung ›Entartete Kunst‹ in München, 1937

Herbert Joswig über seinen Besuch der Ausstellungen ›Entartete Kunst‹ in München, Haus der Kunst 1937

»Zum ersten Mal kam mir zu Bewusstsein, dass Kulturpropaganda lautstark den Begriff des ›gesunden Menschenverstandes‹ verwendete. Man wollte ein weltanschauliches, rassisches und moralisches Sehen und Denken durch die neue Kulturpropaganda erreichen. Und ich meine, dies ist den Nazis auch gelungen. Soweit ich mich erinnere, wurden in Deutschland nach 1937 nur noch ideologische Themen auf Bildern, insbesondere aber auf Propagandaplakaten gezeigt. Dieses beabsichtigte Ziel, die gesamte Kunstausstellung nach dem sog. gesunden Menschenverstand zu beurteilen, hat dazu geführt, dass nicht nur in der Nazizeit, sondern auch Jahrzehnte danach ein Großteil der Bevölkerung sich nicht der Mühe unterzieht, neue Kunstrichtungen anzunehmen […]«

Herbert Joswig: Schriftliche Antwort v. 14.4.1988, in: Stefanie Poley (Hg.): Rollenbilder im Nationalsozialismus – Umgang mit dem Erbe, Bad Honnef 1991, S. 356f

 

Bildnachweis:

Ausstellungsansicht ›Entartete Kunst‹, 1937

Herbert Joswig: 1. Vorsitzender des HDKVs von 1979 bis 1991