August Grisebach (1881-1950), 1. Vorsitzender HDKV 1931-33 und 1947-49

Der bei Heinrich Wölfflin promovierte Kunsthistoriker August Grisebach nahm 1930 den Ruf an den Heidelberger Lehrstuhl für Neuere Kunstgeschichte an. Im Jahr darauf wurde er zum ersten Vorsitzenden des Heidelberger Kunstvereins gewählt. Der ausgewiesene Kenner des italienischen und deutschen Barock hielt auch Vorlesungen zum französischen Impressionismus. Es zeigt sich hierin, dass »im Gegensatz zur Thode-Thoma-Achse und dem Gegensatz Henry Thode – Julius Meier-Graefe, […] Grisebach durchaus den französischen Impressionismus und Post-Impressionismus schätzte«*. Nachdem die Nationalsozialisten die Macht hatten, waren entsprechende Seminare nicht mehr durchführbar.

Seine Ehe mit der getauften Jüdin Hanna Grisebach sowie sein Interesse an einer europäischen Kunstgeschichte ließen ihn schon bald nach der „Machtergreifung“ Opfer der repressiven Kulturpolitik werden. Erste Versuche im Juli 1933, Grisebach aufgrund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums nach § 6 von der Universität auszuschließen, scheiterten zunächst. Allerdings musste er seinen Vorsitz im Heidelberger Kunstverein bereits im selben Jahr niederlegen. Gegen die in einem Rundschreiben von allen Professoren der Universität geforderte NSDAP-Mitgliedschaft legte Grisebach schriftlich Widerspruch ein, obgleich auch er sich zum Eid auf Adolf Hitler als Beamter am 6. November 1934 gezwungen sah. Mit dem Schreiben vom 19. Juli 1937 wurde Grisebach schließlich aufgrund seiner Ehe vom Reichsstatthalter in Baden, Robert Wagner, in den Ruhestand ohne Bezüge zwangsversetzt. Die Grisebachs verließen Heidelberg und verbrachten die Jahre bis 1946 an der Ostsee und in Potsdam in der Obhut eines Mitglieds der Bekennenden Kirche. Bereits 1946 kehrten sie nach Heidelberg zurück, wo 1947 Grisebachs Rehabilitierung erfolgte: Im selben Jahr wurde er erneut als erster Vorsitzender des Heidelberger Kunstvereins bestätigt.

 

* Dietrich Schubert: Heidelberger Kunstgeschichte unter dem Hakenkreuz, in: Ruth Heftrig/Olaf Peters/Barbara Schellewald (Hg.): Kunstgeschichte im „Dritten Reich“. Theorien, Methoden, Praktiken, Berlin 2008, S. 65-86, hier: S. 69

 

Bildnachweis:

August Grisebach mit Sohn Hans, 1929