›April, 2015‹

Richard Fraters Installation April lässt sich als Allegorie darauf lesen, wie Bilder zu politisierten Konfliktherden werden können, obwohl sie nahezu identische Ideologien verkörpern. Fraters Ausgangspunkt ist der 1985 von Agenten des französischen Geheimdienstes in neuseeländischen Hoheitsgewässern begangene Bombenanschlag auf das Greenpeace-Flaggschiff Rainbow Warrior. Der Anschlag tötete den Fotojournalisten und Greenpeace-Aktivisten Fernando Pereira, der seine Kameraausrüstung von Bord holen wollte und ertrank, nachdem eine zweite Explosion das Schiff versenkte. Der am Anschlag beteiligte Agent Alain Mafart verbüsste weniger als ein Drittel seiner zehnjährigen Gefängnisstrafe und wurde später zum Naturfotografen. 2014, viele Jahre danach kam es zu einer merkwürdigen Wendung der Ereignisse, als öffentlich wurde, dass ausgerechnet ein Bild des Ex-Agenten Mafart – eine idyllische Aufnahme von namibischen Giraffen und Zebras an der Wasserstelle – ausgewählt worden war, im Monat April den jährlichen Kalender von Greenpeace zu schmücken. Richard Frater seziert das darauffolgende Drama. Repräsentiert durch eine skulpturale Prothese sind die Fotografien seiner Installation gespenstisch abwesend. Ihre mutmasslich gegnerischen ideologischen Allianzen sind scheinbar durch die Symmetrie ihres ästhetischen Empfindens neutralisiert. (Quelle: Auszug aus dem Wandtext, ›Widerständige Bilder‹, Biennale für aktuelle Fotografie ›Farewell Photography‹)

Oben: Richard Frater: April, 2015/17, Installationsansicht Heidelberger Kunstverein 2017. Foto: Lis Y Seng

Rechts: Richard Frater: April, 2015 /17, Modifizierter Greenpeace Standing-up-for-the-Earth-Kalender, sandgestrahltes Kameragehäuse, Edelstahlrohr,  Courtesy Richard Frater