1969: ›intermedia ’69‹ als Gegenprogramm zum Kunstverein

Die geplante Skulpturen-Ausstellung des Kunstvereins bot in der Vorbereitung Zündstoff für hitzige Diskussionen im Beirat: Die beiden studentischen Beiratsmitglieder Klaus Staeck und Jochen Goetze hielten die Ausstellung für zu konservativ, die Auswahl der Künstler und die angestrebte Präsentation für unzeitgemäß.

Letztlich traten sie von ihren Ämtern zurück und begannen, eine Ausstellung nach ihren eigenen Vorstellungen zu konzipieren: Das Fluxus-Festival ›intermedia ’69‹ präsentierte vom 16. bis 18. Mai 1969 Aktionen, Happenings, Filme, Konzerte und Aktionstheater von und mit 80 internationalen Künstler*innen in Heidelberg. Neue Formen der Produktion und Präsentation von Kunst im öffentlichen Raum wurden erprobt, die so noch nicht in Heidelberg zu sehen gewesen waren. Einen Höhepunkt stellte die Verhüllung des Amerika-Hauses (heute DAI) durch den bulgarisch-amerikanischen Künstler Christo dar. Knapp 5.000 Besucher aus der Bundesrepublik reisten nach Heidelberg um ›intermedia ’69‹ zu sehen.

Der Titel ›intermedia‹ ist einem Essay des amerikanischen Fluxus-Künstlers Dick Higgins von 1966 entnommen und bezeichnet künstlerische Formen, die sich zwischen elektronischen Medien, Kunst und Pop-Kultur jenseits vom Gattungsgrenzen bewegen.

Das Festival stieß sowohl bei Heidelberger Bürger*innen als auch bei linken Studierenden auf Unverständnis und wurde stark kritisiert. Auch viele Mitglieder des Kunstvereins waren skeptisch.

Foto: Christo, ›America House Wrapped‹, 1969, Archiv Klaus Staeck